Portraits at Malpensa Airport

06/10 – 05/11/2017

 

Die Fotografien von Paola De Pietri (Reggio Emilia, 1960) reflektieren über das Verhältnis des Menschen zum Raum und zum Lauf der Zeit. Die Künstlerin ist nicht nur eine aufmerksame Beobachterin der Landschaft, die als Stadtlandschaft wie als Naturlandschaft verstanden wird, sondern sie beschäftigt sich auch mit dem Menschen und seiner Individualität. Die Bildabfolgen, aus denen die Fotoserien von Paola De Pietri bestehen, werden folglich unter dem konzeptuellen Gesichtspunkt zu lautlosen Reflexionen, bei denen sich Landschaft und Menschliches gegenüberstehen, in einen Dialog treten oder jeweils das eine oder das andere an die Oberfläche kommen lassen.

Die Folge Portraits at Malpensa Airport besteht ursprünglich aus neun Porträts, die 2002 im Mailänder Flughafen Malpensa aufgenommen wurden. Die Künstlerin hat hier eine Reihe von ganzfigurigen Frontalporträts vor einem anonymen, bei allen Aufnahmen gleichen Hintergrund geschossen. Sie lässt so eine Enthebung von Raum und Zeit, ein Einhalten, ja fast eine Selbsteinkehr entstehen, durch die das Individuum in seiner Eigentümlichkeit und in seiner gegenwärtigen Geschichte zum Vorschein kommt. Jeder der Reisende wurde nicht nur nach seinem, bzw. ihrem Namen gefragt, sondern auch darum gebeten, alle Vorfahren aufzuzählen, an die er oder sie sich noch erinnern kann. Die Namen wurden dann, einem stilisierten Stammbaum gleich, in einer Liste in der oberen, leeren Ecke der Fotografie aufgeführt. Es handelt sich um eine Gedächtnisübung zur persönlichen Geschichte, die nach dem biologischen und kulturellen Erbe eines jeden fragt.

Die Ausstellung von Paola De Pietri ist Teil des Projekts Level 0 in Zusammenarbeit mit ArtVerona, der Messe für moderne und zeitgenössische Kunst der Stadt Verona.

 

 

Foto: Paola De Pietri, Portraits Malpensa Airport, 2002. Courtesy of the artist and Gallery Alberto Peola, Turin.