Adieu Nanni Balestrini

Adieu Nanni Balestrini

Das Museion schließt sich den Beileidsbekundungen zum Tod von Nanni Balestrini (1935-2019) an. Dichter, Künstler und Schriftsteller: Nanni Balestrini hat die italienische Kunst und Literatur in den vergangenen fünfzig Jahren entscheidend mitgestaltet. In den 1960er Jahren gehört er als Mitglied der Literaten-Vereinigungen „Novissimi“ und „Gruppo 63“ zu den führenden Köpfen der Neoavantgarde. Bereits 1961 unternimmt er erste Versuche, mit dem Computer zu dichten. In den folgenden Jahren entstehen bedeutende Beiträge zur internationalen visuellen Dichtung, wobei sich wichtige Übergänge zur bildenden Kunst ergeben. 2012 ist er mit seinem Film „Tristanoil“ auf der documenta in Kassel vertreten: Dieser praktisch unendliche computergenerierte Film überlagert nach dem Zufallsprinzip TV- und Film-Sequenzen, in denen das Erdöl als treibende Kraft hinter Fehlentwicklungen innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und der Umweltverschmutzung im Zentrum steht. 2014/15 zeigte das Museion seine Einzelausstellung „Oltre la poesia“. In der Sammlung des Museion befinden sich rund 100 Werke Balestrinis, die einen vollständigen Überblick über seine visuellen Dichtungen und seine Kunst erlauben – diese Arbeiten verdeutlichen die Radikalität in Balestrinis Denken und seine Offenheit für alle Formen medialer Innovation.

„Nanni Balestrini nimmt seit Jahren einen besonderen Platz in der Sammlung und in der Ausstellungsgeschichte des Museion ein. In seiner im Museion präsentierten Ausstellung „Oltre la poesia“ (2014/15) hat er seine Fähigkeit bewiesen, Antennen für die Gegenwart zu haben und sich und seine Kunst unablässig zu erneuern – sein Werk werden wir in diesem Herbst in der Ausstellung „Intermedia .Archivio di Nuova Scrittura“ in Zusammenarbeit mit dem Mart – Museo di arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto erneut zeigen“ – so die Direktorin des Museion, Letizia Ragaglia.

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Foto Claudia Corrent