Witches gestures
ein Projekt von Latifa Laâbisi und Pauline Boudry/Renate Lorenz

Donnerstag, 18. und 25. Juli
22-22.30 Uhr
Uraufführung


Randfiguren, die auf ein ebenso faszinierendes wie erschreckendes „Anderes“ verweisen – das sind die Protagonistinnen von Witches gestures (Gesten von Hexen). Das Projekt, das die Zusammenarbeit mit dem Festival Tanz Bozen fortsetzt, präsentiert Arbeiten der französischen Tänzerin und Choreografin Latifa Laâbissi und der im Duo auftretenden Künstlerinnen Pauline Boudry (Lausanne, 1972) und Renate Lorenz (Berlin, 1963). Dabei werden – in einer Doppelveranstaltung – die Medienfassade und die Passage bespielt.

Witches gestures umfasst die Performance Écran somnambule (2012) von Latifa Laâbissi und das Video Silent (2016) von Boudry/Lorenz. Das choreographische Stück von Laâbissi hat einen historischen Bezugspunkt: Die Arbeit dehnt den berühmten Kurzfilm Hexentanz (1927) von Mary Wigman auf 32 Minuten aus. Indem sie dieses Werk verlangsamt, zerlegt sie mit Geduld und analytischer Schärfe den subversiven Tanz dieser beunruhigenden weiblichen Figur, die in den 1920er Jahren zu einem Aushängeschild des deutschen expressionistischen Ausdruckstanzes wurde.

Auch das Video Silent präsentiert mit der schrillen Queer-Sängerin Aérea Negrot eine Randfigur. Die Ästhetik gleicht der eines Musikvideos – mit Wasserstoff gebleichten Haaren und tief ausgeschnittenem Glitter-Kleid interpretiert Negrot ein konzeptuelles Musikstück von John Cage (4’33 aus dem Jahr 1952), das aus drei Sätzen ohne Noten besteht und in dem – in einem vorgegebenen Zeitrahmen – kein Ton gespielt wird. Aufgeführt wird dieses Stück auf einer Drehbühne auf dem Oranienplatz in Berlin, der zwischen 2012 und 2014 ein Flüchtlingscamps beherbergte. In der Arbeit von Boudry/Lorenz wächst aus der Stille eine von Gewalt geprägte Erfahrung: das Still- und Ohne-Stimme-Sein sein wird dabei zu einem Akt des performativen Widerstands.

Auf der Fläche der Medienfassade und auf dem „überdachten Platz“ der Museion Passage zeigt Witches gestures verlangsamte und stumme Bewegungen und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Rückzug als Akt gesellschaftlichen Engagements und Widerstands.

Kuratiert von Frida Carazzato, Museion und Rachid Ouramdane, Gastkurator Tanz Bozen- outdoor

Donnerstag 18. Juli:
21 Uhr: Künstlergespräch mit Pauline Boudry, Latifa Laâbissi, Frida Carazzato und Rachid Ouramdane (in englischer Sprache)
22 – 23.30 Uhr: Videoprojektion und Tanzperformance

Donnerstag 25. Juli:
22 – 23.30 Uhr: Videoprojektion

Die Choreographin Latifa Laâbissi und die Künstlerinnen Renate Lorenz/Pauline Boudry sind nicht zum ersten Mal in Museion. 2008 präsentierte Laâbissi anlässlich der Eröffnung des neuen Hauses Self Portrait Camouflage. Das Video Telepathic Improvisation (2017) von Renate Lorenz/Pauline Boudry war bereits 2018 im Rahmen der von Simone Frangi kuratierten Ausstellung „Somatechnics. Transparent travelers and obscure nobodies” zu sehen.

 

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Pauline Boudry e Renate Lorenz, Silent, 2016. Museion Medienfassade, 2019. Foto Othmar Seehauser. Courtesy Marcelle Alix and Ellen De Bruijne Projects