Intermedia. Archivio di Nuova Scrittura

Corrado D'Ottavi, Ciò che si può dire, 1974. Museion - Collezione/Sammlung Archivio di Nuova Scrittura. Foto Nicola Eccher

Intermedia. Archivio di Nuova Scrittura

Eröffnung 22/11/2019, 19 Uhr


Die Verbindung von Wort und Bild in der Kunst des 20. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt des Archivio di Nuova Scrittura (ANS) des Sammlers Paolo Della Grazia. 1998 übergab er seine Sammlung dem Museion und dem Mart in Rovereto, um das Material – auch für die Forschung – zugänglich zu machen. Das Archiv ist der Ausgangspunkt für die Doppelausstellung Intermedia, die gleichzeitig in beiden Museen gezeigt wird.

Die Ausstellung im Museion
Der Begriff „intermedia“ wurde 1965 vom amerikanischen Fluxus-Künstler Dick Higgins geprägt. Er meinte damit alle Kunstformen, welche die traditionelle Trennung zwischen den verschiedenen Kunstgattungen (Medien) überschreiten. Higgins’ Werk Poema d’aria / Luftsymphonie ist auf exemplarische Weise inter- oder multimedial: Es verbindet Räumlichkeit mit Text, Farbe, Sound und Licht zu einer Gesamterfahrung. Gezeigt werden rund 200 Werke von rund 70 Künstler_innen. Die Ausstellung Intermedia geht bewusst über die Bild-Text-Hybride hinaus. Neben Beispielen visueller und konzeptueller Musik präsentiert sie immer wieder Übergänge zu sonoren und performativen Formen. Im Pavillon Dan Grahams werden parallel entstandene experimentelle Film- und Videoarbeiten gezeigt. Higgins’ Konzept wird hier also in seinem weitesten Sinn interpretiert.Ein wichtiges Anliegen der Ausstellung ist es, den politisch-historischen Kontext der präsentierten Werke mitzuliefern, die eigentlich alle politisch gemeint waren.

“In den Jahren 1960 bis 1980 erlebte Italien den Wirtschaftsboom, die 1968er-Revolte und dann die dramatische Phase des Terrorismus. Mir schien, dass die Werke und Schriften der mit Text-Bild-Kombination arbeitenden Künstler all das auf eine bis dahin nicht gesehene und tiefgründige Weise spiegelten. Und zwar aus einer Perspektive, die abwich von der bürgerlichen und unternehmerischen, in der ich aufgewachsen war und in der ich lebte und arbeitete. Mir ist es nie darum gegangen, „schöne Bilder“ um ihrer selbst willen zu sammeln. Mein Ziel war die Dokumentation einer Epoche in ihren Werten, aber auch in ihrer Negativität, eben mit allen ihren Widersprüchen.” so Paolo Della Grazia.

Eine Produktion des Museion in Bozen und des Mart in Rovereto

Kuratiert von Letizia Ragaglia, in Zusammenarbeit mit Andreas Hapkemeyer, Elena Bini, Frida Carazzato und Giorgio Zanchetti.

Künstler und Künstlerinnen: Vincenzo Accame, Friedrich Achleitner, Vincenzo Agnetti, Shusaku Arakawa, Alain Arias-Misson, Terry Atkinson, Michael Baldwin, Nanni Balestrini, Gianfranco Baruchello, Carlo Belloli, Mirella Bentivoglio, Tomaso Binga, Julien Blaine, Irma Blank, Jean-François Bory, George Brecht, Claus Bremer, John Cage, Ugo Carrega, Luciano Caruso, Giuseppe Chiari, Henri Chopin, Carlfriedrich Claus, Philip Corner, Corrado D’Ottavi, Betty Danon, Augusto de Campos, Haroldo de Campos, Paul De Vree, Mario Diacono, Vincenzo Ferrari, Robert Filliou, Ian Hamilton Finlay, Ken Friedman, Alberto Grifi, Gruppo 70, Heinz Gappmayr, Ilse Garnier, Pierre Garnier, Eugen Gomringer, Geoffrey Hendricks, Josef Hiršal, Bohumila Grögerová, Dick Higgins, Emilio Isgrò, Jirì Kolár, Ketty La Rocca, Ugo La Pietra, Arrigo Lora Totino, Piero Manzoni, Lucia Marcucci, Stelio Maria Martini, Hansjörg Mayer, Franz Mon, Charlotte Moorman, Magdalo Mussio, Maurizio Nannucci, Giulia Niccolai, Seiichi Niikuni, Anna Oberto, Martino Oberto, Luciano Ori, Giulio Paolini, Claudio Parmiggiani, Luca Patella, Michele Perfetti, Décio Pignatari, Lamberto Pignotti, Julio Plaza, Dieter Roth, Gerhard Rühm, Claudio Salocchi, Sarenco, Adriano Spatola, Gianni-Emilio Simonetti, Adriano Spatola, Karl Heinz Steck, Gabriele Stocchi, Calvin Sumsion, Shohachiro Takahashi, Franco Vaccari, Jirì Valoch, Ben Vautier, Patrizia Vicinelli, Emilio Villa, Rodolfo Vitone, Wolf Vostell.