Diego Perrone
Il servo astuto

06/10/13 – 02/02/14

Zwischen technischem Experiment und klassischer Tradition – in Diego Perrones Skulpturen, für das Museion entwickelt, nehmen Vergangenheit und Gegenwart eine ungreifbare Dimension an. In Zusammenarbeit mit Vetroricerca Glass & Modern.

Kuratiert von Frida Carazzato

Im Projekt Room im Erdgeschoss stehen zwei große Skulpturen. Diese Arbeiten sind das Ergebnis eines aufwändigen künstlerischen Verfahrens: Ausgehend von fotografischen Portraits hat Diego Perrone Bilddetails bearbeitet, diese als Zeichnungen festgehalten und anschließend in die Dreidimensionalität von Wachskulpturen übertragen. Daraus sind dann die in den Brennöfen von Vetroricerca gebrannten Glas-Skulpturen entstanden. Dabei setzt Perrone eine traditionelle Technik („Pâte de verre”) ein, mit der eine pastenartige Glasmasse in vorgefertigte Formen gegossen wird.

Die Beschaffenheit und die Farben des Glases geben Gesichts-Fragmente wieder und man denkt dabei unweigerlich an die abgegriffenen Profile von Herrscherinnen und Herrschern auf alten oder auch antiken Münzen. Die Verarbeitung von „klassischen” Themen und Bildsprachen aus Kunstgeschichte und Volkskultur kennzeichnen das Werk von Diego Perrone.

Auch die im Projekt Room gezeigten Skulpturen scheint ein Hauch von Geschichte und von Klassizität zu umgeben. Diese Vergangenheit nimmt hier – in der Gegenwart – eine wenn auch neue und ungreifbare Dimension ein. Aufgrund der Eigenschaften des Materials ist der von den Skulpturen verkörperte Bezug auf Münzen und Portraits nur ein Ausgangspunkt: Die von den Skulpturen abgebildeten Gesichtszüge und Profile werden beim Betrachten unkenntlich und verweigern eine präzise Identifikation. Die Bilder sind also verfremdet und die unterschiedlichen Glasfarben formen eine fast schon pittoreske Landschaft. Der figurative Aspekt der Skulptur rückt in den Hintergrund. Was bleibt, ist ein Geheimnis, das hier – natürlich – nicht gelüftet wird. Wie immer in der Kunst erzeugen Diego Perrones Bilderwelten ihrerseits immer neue Bilder und dabei entsteht dann auch nie ein eindeutiger „Sinn”, der diese wundervollen Arbeiten „festlegen” könnte.

Titelbild: Museion, Diego Perrone, Il servo astuto, Museion Project Room 2013, Foto: Othmar Seehauser, Courtesy Galleria Massimo De Carlo, Milano/ Casey Kaplan, New York

Gallery: Foto Luca Meneghel