29.03. – 14.09.2025
Kuratiert von Leonie Radine und Ned Vena
Presse-Vorbesichtigung: 27.03.2025, 12:15
Eröffnung: 28.03.2025, 19:00

Klara Lidén, Disco, 2020. Stedelijk Museum Amsterdam, gift of Sadie Coles HQ, London. © Klara Lidén Photo: Robert Glowacki. Courtesy the Artist and Sadie Coles HQ, London

Yuji Agematsu, Chantal Akerman, Nick Atkins, Charles Atlas, Lutz Bacher, Martin Barré, Blade, Monica Bonvicini, Patricia L. Boyd, Dan Christensen, Shaun Crawford, Curtis Cuffie, René Daniëls, Daze, Manuel DeLanda, Melvin Edwards, Matias Faldbakken, Heike-Karin Föll, Futura 2000, Keith Haring, Jenny Holzer & Lady Pink, KAYA, Jutta Koether, Michael Krebber, Brad Kronz, Maggie Lee, Klara Lidén, Ilya Lipkin, Colette Lumiere, Kunle Martins, Jeanette Mundt, Georgie Nettell, Armando Nin, N.O.Madski, Clayton Patterson, Charlotte Posenenske, Josephine Pryde, Quik, Lee Quiñones, Carol Rama, Rammellzee, R.I.P. Germain, Matthew “Zexor” Rodriguez, Karin Sander, Seen, David Smith, Dash Snow, Ben Solomon, Hedda Sterne, Emily Sundblad, SoiL Thornton, Alix Vernet, WANTO, Lawrence Weiner, Dondi White, Martin Wong & LA2, Christopher Wool, Zephyr

Rammellzee, Future Futurism, 1984. Groninger Museum, loan from private collection Photo: Marten de Leeuw. Courtesy The Estate of Rammellzee

Mit Graffiti präsentierte Museion eine bahnbrechende Ausstellung über die Verbindungen zwischen Graffiti und zeitgenössischer Kunst. Erstmals in Italien widmete sich eine Museumsausstellung der Geschichte der Sprühmalerei sowie den vielfältigen künstlerischen Überführungen von Bildsprachen der Stadt und Straße ins Atelier. Graffiti zeigte sich dabei vor allem als Sichtweise und Perspektive auf urbane Landschaften.

Die Werkschau versammelte transdisziplinäre Arbeiten aus 70 Jahren und verfolgte einen Ansatz, der weit über die Historisierung von Graffiti als „Outsider“-Praxis hinausgeht. Beginnend mit frühen Sprühbildern aus den 1950er und 1960er Jahren spannte sie den Bogen über Arbeiten legendärer Graffiti-Writer*innen der 1980er Jahre bis hin zu Werken zeitgenössischer Künstler*innen, die Graffiti in ihr vielfältiges Schaffen einbeziehen.

Keith Haring, Untitled, 1983. Centraal Museum Utrecht Collection Photo: Gert Jan van Rooij. Keith Haring artwork © Keith Haring Foundation

Sprühfarbe, das charakteristische Werkzeug moderner Graffiti, wurde 1951 in den USA patentiert. Zwischen ihrer Markteinführung in den 1950er Jahren und dem Aufkommen der heute bekannten Form von Graffiti in den späten 1960er Jahren lagen fast zwei Jahrzehnte, in denen bildende Künstler*innen jedoch bereits mit dem Medium experimentierten. Seit Sprühfarbe das dominierende Ausdrucksmittel für Graffiti geworden ist, wird sie automatisch mit dieser Kunstform verbunden. Selbst eine einfache Linie Spray auf Leinwand weckt heute unmittelbar Assoziationen mit Rebellion und urbaner Kultur.

KAYA (Kerstin Brätsch & Debo Eilers), Swarm Living is for Bodybag ONION BRAID, 2015, with N.O.Madski Style, 2025, N.O.Madski: Glyphtolyte, 2025. Courtesy of the artists and Deborah Schamoni. Exhibition view Graffiti, Museion, 2025.  Foto: Luca Guadagnini.

Auf 1.500 Quadratmetern versammelt die Ausstellung auf den beiden oberen Museumsetagen Schlüsselwerke von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart sowie neue, ortsspezifische Arbeiten.

Graffiti begann mit Werken aus den 1950er- und 1960er-Jahren von Künstler*innen wie Hedda Sterne, David Smith, Martin Barré, Dan Christensen, Carol Rama und Charlotte Posenenske. In Dialog damit traten Leinwandarbeiten legendärer Graffiti-Writer wie Rammellzee, Futura 2000, Blade und Lee Quiñones. Bedeutenden Werken aus den 1980er und 1990er Jahren, in denen sich Graffiti und zeitgenössische Kunst verbinden – darunter von Lady Pink & Jenny Holzer, Martin Wong & LA2 und Keith Haring – folgten jüngere Spraybilder von Heike-Karin Föll, Michael Krebber und Christopher Wool. Digitale Graffiti-Zeichnungen von Georgie Nettell trafen unter anderem auf Patricia L. Boyds Fotogramm einer Bushaltestelle und Karin Sanders Gebrauchsbilder. Dieser Teil der Ausstellung umfasste ebenso Werke zeitgenössischer Graffiti-Künstler*innen wie Kunle Martins und WANTO sowie neue Arbeiten von N.O.Madski im Dialog mit Skulpturen von KAYA.

Schließlich verwandelte sich die Ausstellung in eine Stadtlandschaft, bevölkert von Arbeiten, in denen sich die rauen und kreativen Seiten urbaner Realitäten auf vielfältige Weise widerspiegeln. Graffiti zeigte sich als Material in Filmen und Fotografien, wie etwa von Charles Atlas und Manuel DeLanda, sowie in raumgreifenden Installationen und Skulpturen. Josephine Prydes New Media Express, eine mit Graffiti besprühte Modelleisenbahn, bewegte sich zwischen Klara Lidéns Readymade-Mülleimern und Verteilerkästen. Weitere Methoden der Markierung urbaner Oberflächen fanden sich in R.I.P. Germains skulpturaler Nachbildung einer Schaufensterfront, einer neuen Wandinstallation von Matias Faldbakken und den Street Casts von Alix Vernet.

Graffiti bildete den Auftakt der neuen, langfristigen Museion-Forschungslinie THE SOFTEST HARD, die ihren Fokus auf sanfte und gewaltlose Formen des Widerstands sowie Kunst als soziale und urbane Praxis legt.

Die Ausstellung wurde ko-kuratiert von dem in New York lebenden Künstler und Archivar Ned Vena (*1982 in Boston, USA). Seine künstlerische Praxis umfasst Malerei, Skulptur, Installation und Film und ist geprägt von seiner aktiven Tätigkeit als Graffiti-Writer sowie seinen umfassenden Recherchen zur Geschichte von Graffiti. Umgekehrt hat seine intensive Beschäftigung mit der Geschichte der Malerei auch sein Verständnis von Graffiti beeinflusst. Die Ausstellung spiegelt nicht nur sein persönliches Engagement für diese Schnittstellen, sondern auch sein interdisziplinäres Archivwissen wider.

Ned Vena erklärt: „Graffiti hat mir den Weg in die Kunst eröffnet, aber auch meine Sichtweise geprägt, meinen Blick auf Dinge, wie zum Beispiel die Kunst. Graffiti ist eine Ausstellung mit Werken, bei denen es sich nicht unbedingt immer um Graffiti handelt oder dreht, aber die mich, wenn ich sie betrachte, an meine Erfahrungen mit Graffiti erinnern“.

Bereits vor der Eröffnung und zum Auftakt der Ausstellung zeigte Museion am 26. März 2025 zusammen mit dem und im Filmclub Bozen Bolzano Chantal Akermans News from Home (1976).

Die vom Museion initiierte Ausstellung wurde ermöglicht durch eine Partnerschaft zwischen dem Museion und dem Centraal Museum, Utrecht.

Begleitprogramm

Graffiti

Ausstellung

29.03. –14.09.2025
Kuratiert von Leonie Radine und Ned Vena

In partnership with
Centraal Museum Utrecht