Da hast du ein sehr treffendes Wort benutzt, wie wir finden: Du sprichst von confidence, also von dem Selbstvertrauen, das dir eine Institution gibt.
AG: So bekommt man gleich ein völlig anderes Selbstvertrauen: Ich denke immer noch an die Ausstellung TECHNO – vielleicht erinnert ihr euch – und daran, dass Frida (Carazzato, Forschungskuratorin am Museion, Anm. d. Red.) damals etwas aufgebaut hat, was für mich unglaublich war … nämlich ein Archiv der Südtiroler Subkultur. Daraufhin kam ein sehr positives Feedback von jungen Menschen, denn bis dahin hatten wir weder Anerkennung vonseiten der Gemeinden erfahren noch durch das Südtiroler Umfeld im Allgemeinen, im Gegenteil! Wir mussten uns quasi noch bedanken für die Gelegenheit, unseren „Quatsch“ machen zu dürfen, um es einmal geradeheraus zu sagen, und unsere Kindereien do zu treiben. Damit möchte ich nicht sagen, dass wir von Einrichtungen oder von öffentlichen Ämtern in keinerlei Weise unterstützt worden wären. Doch auf kommunaler Ebene besteht eine – sagen wir einmal – gewisse Skepsis gegenüber dem, was wir tun, und die beobachten wir in vielen Kontexten, wie beispielsweise auch im Fall des Ost West Club in Meran oder bei den Problemen, mit denen Basis aktuell zu kämpfen hat. Eigentlich müsste man diesen Initiativen doch den roten Teppich ausrollen! Wir reden davon, wie das Südtirol der Zukunft aussehen soll, und davon, dass man Freiraum braucht, um etwas auf die Beine zu stellen, nicht mehr und nicht weniger. Die Möglichkeit, im Museion etwas zu organisieren – das gibt der Institution Relevanz.
Freiraum, der in Bozen fehlt …
AG: Naja, ich würde schon sagen, in vielen weiteren Gemeinden auch. Ich habe bereits in ganz Südtirol gelebt, von Brixen bis zum Vinschgau und Meran, und komme ursprünglich aus dem Südtiroler Unterland, kenne also viele Gegebenheiten vor Ort – wobei ich allerdings den Eindruck habe, dass ganz langsam diese Haltung endlich bröckelt. Ich habe das Gefühl, dass gerade eine neue Diskussion im Gang ist. Und das Museion hat ebenfalls Dinge in Bewegung gesetzt, so meine ich, indem es eine bestimmte Art von Sicherheit gewährt, dass man auch hinausgehen kann über den Rahmen des Gewohnten.
Und die Zeit, in der ihr aktive Mitglieder des Museion Art Club wart – welche Auswirkung hatte das auf euer Leben?
Philipp Kieser: Es war unglaublich bereichernd, mit Gleichgesinnten zusammenzuarbeiten – viele von ihnen kannte ich bis dahin nicht oder hatte noch nie gemeinsam mit ihnen gearbeitet. Diese Erfahrung hat für mich das kreative Potenzial deutlich gemacht, das man in der Gruppe entfaltet und über das man gesellschaftliche Innovationen anstoßen kann. In Südtirol wird das meist unterschätzt: Was es braucht, ist Freiraum und finanzielle Unterstützung zum Aufbau eines Kulturnetzwerks, um kreative Köpfe zusammenzubringen, die in dem Bereich tätig sind. Das Museion hat den Anfang gemacht, nun müssen weitere öffentliche und private Einrichtungen nachziehen.