Anlässlich des 40-jährigen Bestehens von Museion erinnert sich Heinrich Gasser, Teil des historischen Gründungskreises, an die Anfänge der Institution: an die Diskussionen, den Wunsch und die Notwendigkeit, in Südtirol einen Ort für moderne und zeitgenössische Kunst zu schaffen. Aus seinen Erinnerungen und den Anekdoten jener pionierhaften Jahre spricht der Wunsch nach Öffnung – zur Welt, zum Wandel, zum Möglichen – sowie eine Energie, die Museion und die Menschen, die es Tag für Tag weiterentwickeln, bis heute prägt.
„Dann fange ich es einfach an!“
Die Erinnerung an die Gründung des Museion
In den 1980er-Jahren ging es Südtirol wirtschaftlich gut – kulturell jedoch hinkte das Land oft seinen Nachbarn Nordtirol und Trentino hinterher. Besonders schmerzlich: Es gab keine Institution, die sich der modernen Kunst ab 1900 widmete. Viele Werke moderner und zeitgenössischer Künstler wanderten deshalb ins Ausland. So landeten beispielsweise Bilder von Egger-Lienz im Ferdinandeum in Innsbruck, weil es in Südtirol keinen Ort dafür gab.
Ich erinnere mich gut an die Gespräche beim Turmwirt in Völs, in denen wir über diese Lücke sprachen. Wir wollten die moderne Kunst im Land behalten, statt sie einfach an unsere „Nachbarn“ abzugeben. Irgendwann stand ich auf und sagte: „Dann fange ich es einfach an.“
Ich bat den damaligen Bürgermeister von Völs, Walther Kompatscher, der mit uns am Tisch saß und als Präsident des Kuratoriums von Schloss Prösels wirkte, mir den Pfeilersaal des Schlosses für eine erste Ausstellung zur Verfügung zu stellen.
Im nächsten Schritt suchte ich Mitstreiter, die die Vision eines Museums teilten. Gemeinsam mit Marjan Cescutti, Georg Nicolussi, Karl Nicolussi, Christoph Pan, Helmuth Stampfer und Franz Vigl gründeten wir am 17. Juni 1985 den gemeinnützigen Verein „Museum für moderne Kunst“. Unser Ziel: „Zeitgenössische Kunst des 20. Jahrhunderts im alttiroler Raum sammeln, wissenschaftlich aufarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen.“ Karl Nicolussi, selbst ein Förderer der Kunst, übernahm das Amt des Präsidenten, ich wurde Vizepräsident – und blieb es dreißig Jahre lang. Unterstützt wurden wir von einem wissenschaftlichen Beirat, dem die renommierte Fachleute Gert Amann, Eva Eccel-Kreuzer, Matthias Frei, Mario Paolucci und Kristian Sotriffer angehörten. Karl Nicolussi stellte uns als Sitz des Vereins großzügig Räume im Südtiroler Bildungszentrum in der Bozner Dr.-Streiter-Gasse zur Verfügung.
Am 5. Juli 1985 eröffneten wir im Rahmen des Tiroler Burgfestes auf Schloss Prösels unsere allererste Ausstellung: „Von Ala bis Kufstein, 1900–1960“. Gezeigt wurden 70 Werke aus Südtiroler Privatsammlungen sowie Leihgaben des Museo dell’Arte in Trient, das uns unkompliziert unterstützte. Ich transportierte die Bilder damals selbst mit meinem Privatauto nach Prösels. Es gab weder Werbeplakate noch einen Katalog – und dennoch wurde die Ausstellung ein voller Erfolg. Das bestärkte mich in meinem Vorhaben.
Unser nächster Schritt war es, die Privatinitiative in ein öffentlich-rechtliches Landesmuseum zu überführen, um Fördermittel für Ausstellungen und Ankäufe nutzen zu können. Wir nahmen Gespräche mit dem Land Südtirol auf. Der damalige Landesrat Zelger unterstützte das Projekt, machte jedoch zur Bedingung, dass ein Vertreter der italienischen Sprachgruppe im Museumsverein vertreten sein müsse. So kam 1986 Pier Luigi Siena zu uns.
Auch der Standort war uns wichtig. Wir wollten das Museum in der Landeshauptstadt Bozen verankern und hatten das alte Krankenhaus in der Sernesistraße im Blick. Gemeinsam mit anderen Vereinen erhielten wir den Zuschlag und begannen dort 1987 mit unserer Ausstellungstätigkeit. Die Bronzeplastik „Die 3 Kulturen“ von Janos Fischer wurde zum Symbol und Logo des Museion – für ein offenes, grenzüberschreitendes Museum moderner Kunst.
Ich bin dankbar, dass wir damals den Mut hatten, dieses Museum für moderne Kunst in Südtirol zu gründen. Heute ist das „Museion“ ein lebendiger Teil der internationalen Kunstszene und prägt als architektonische Landmarke das Bild unserer Region.
Heinrich Gasser
Museion feiert sein 40-jähriges Bestehen mit dem Event 24HOURS: eine 24-stündigen Veranstaltung aus Kunst und Performance – ein Tag und eine Nacht voller unvergesslicher Momente, der von 14:00 Uhr am 13. September bis 14:00 Uhr am 14. September stattfindet, in Zusammenarbeit mit dem Transart Festival, um zu zeigen, was ein Museum und die zeitgenössische Kunst heute sein können.