Im Gedenken an Ceal Floyer

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Ceal Floyer, Museion 2014, exhibition view. Foto Luca Meneghel © Ceal Floyer und VG-Bildkunst
15.12.2025

In dem kuratorischen Text zur Einzelausstellung von Ceal Floyer im Museion im Jahr 2014 schrieb die damalige Direktorin des Museums und Kuratorin der Ausstellung, Letizia Ragaglia: „Die vierte Etage der Institution, in der üblicherweise die Einzelausstellungen stattfinden, ist die hellste und bietet die spektakulärste Aussicht.“ Gemeint war jener Raum, der Floyers Ausstellung vorbehalten war. Ragaglia führte weiter aus: „Viele Künstler*innen haben in ihren Installationen mit dem Austausch zwischen Innen- und Außenraum gearbeitet, mit der Transparenz zur Stadt hin; andere wiederum haben den urbanen Kontext bewusst ausgeschlossen; wieder andere haben die Unzugänglichkeit des architektonischen White Cube thematisiert, indem sie bestimmte Bereiche des Ausstellungsraums unbenutzbar machten. Niemand jedoch hatte bislang versucht, die Beleuchtung künstlich zu verstärken. Und schon gar nicht mithilfe einer riesigen Glühbirne…

Mit diesen Worten wird die Welt von Ceal Floyer eingeführt, eine Welt, in der eine unkonventionelle Lesart von Realität und Kunst gezielt mit der Wahrnehmung des Publikums spielt. Wortspiele gehören ebenso dazu wie die Einladung, Freude daran zu finden, Dinge nicht sofort eindeutig zu erkennen, sondern sich auf ihre Vieldeutigkeit einzulassen. Overhead Projector, auf das sich Ragaglias Zitat bezieht, ging im Anschluss an die Ausstellung in die Sammlung des Museion über. Das Werk besteht aus der Vergrößerung einer Glühbirne, die auf der Oberfläche eines Overheadprojektors liegt. Der Titel benennt schlicht das technische Gerät selbst. So klar in Floyers Arbeiten nichts verborgen bleibt, so deutlich wird auch hier, dass die projizierte, überdimensionale Glühbirne den Raum nicht stärker erhellt, sondern vielmehr das Thema Licht im Ausstellungsraum selbst verhandelt.

Ceal Floyer wurde 1968 als Tochter einer britischen Familie in Karachi, Pakistan, geboren und wuchs in England auf. Ihre Ausbildung absolvierte sie in London, wo sie in den 1990er-Jahren als wichtige Stimme der britischen Konzeptkunst in Erscheinung trat. 2009 wurde ihr der Nam June Paik Award verliehen, 2007 erhielt sie den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst in Berlin. Im Zentrum ihrer künstlerischen Forschung standen Alltagsobjekte und die Frage, wie Bedeutungen entstehen und zugeschrieben werden. Mit einer besonderen Fähigkeit, Ironie, Konzeptualismus und Minimalismus zu verbinden, arbeitete Ceal Floyer konsequent in den unerwarteten Zwischenräumen der Realität.

Wenige Tage nach ihrem Tod am 11. Dezember 2025 möchte das Museion an Ceal Floyer erinnern und damit die beständige Einladung erneuern, die ihre Kunst immer wieder formuliert hat: den Blick auf die Dinge zu schärfen, um ein tieferes Bewusstsein dafür zu entwickeln, „wie man in der Welt ist“.

— Frida Carazzato, Forschungskuratorin des Museion

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