Karin Welponer

in Gedenken an Berty Skuber

News
12.03.2026

Berty,

die rotflammende Mähne und die sonore Stimme sind erloschen, doch durch ihr umfangreiches Werk bleibt sie gegenwärtig. In den 60ern sind wir uns begegnet und obwohl wir so verschieden arbeiten, hat sich gleich ein herzliches Verständnis ergeben.

Ihre Hingabe winzige Quadrate akribisch auf die Leinwand zu malen, konnte ich nur bewundern. Aus vielem Kleinen ein großes Ganzes zusammenzusetzen hat sich durch ihr ganzes Schaffen gezogen.

Von dieser vielfältigen Empfindsamkeit am Prackfolerhof umgeben, fühlte ich mich bei Berty und Henry freundschaftlich aufgenommen. Henry schrieb den Text zu meinem Katalog über den Kubus, kochte Risotto mit eben gesammelten Pfifferlingen, gewürzt mit dem Aroma vieler Zigaretten zu den intensiven und anregenden Gesprächen bis spät nachts. Hier auf dem abgelegenen Hof hattet ihr das Privileg des Inruhegelassenwerdens, doch wart ihr in regem Kontakt mit der gesamten Kunstwelt.

Slideshow
öffnen

Als Henry nicht mehr war, haben Berty und ich begonnen – in einer Art ihm zu Ehren, unsere Gespräche fortzuführen. Einen Dialog, einen Gedankenaustausch ohne Worte, unserer Bildhaftigkeit entsprechend.

Slideshow
öffnen

Über viele Monate schickten wir uns täglich eine Botschaft über Whatsapp: eine superschnelle Post – ein Foto hin, ein Foto zurück, ich morgens, Berty abends – was uns bewegte, was uns auffiel, mal war es eine direkte Reaktion, oder auch ein Bruch, eine momentane Situation, eine unvermutete Wahrnehmung, etwas Intimes, eine Banalität, ein Augenzwinkern; Berty geordnet und ästhetisch, ich eher öfters schräg.

Slideshow
öffnen

Nach einem Unfall habe ich unseren Dialog von vielen hundert Botschaften vorerst beendet mit dem letzten dürren Blatt am Tulpenbaum im Garten.

Auf der Biennale Franzensfeste (2024) haben wir unsere Arbeiten in zwei nebeneinanderliegenden Räumen gezeigt: Bertys Briefe und Collagen in einer Vitrine, ich Zeichnungen von Vulven um einen roten Teppich.

Das war der Impuls unser Gespräch wieder aufzunehmen. Diese Botschaften ohne Worte legten weiterhin so Einiges von uns beiden offen. Das Rätsel von uns selbst, in dem wir einiges von uns preisgaben und doch so wenig.

Slideshow
öffnen

Im Diskurs entstand so ein Geflecht mit harmonischen und kontroversen Gedankensprüngen – mit Ironie, Poesie, Humor, sogar mit Zensur.

Wir lernten voneinander, erfuhren mehr, als wir diskutieren hätten können, denn Missverständnisse sind eine Auslegung wie es der Beschenkte interpretiert.

Während der Stunden des Tages und in der Nacht baute sich eine gespannte Erwartung auf, wie wohl die Reaktion, die Antwort ausfallen wird. Ob eine neue Facette den Fortgang weiterleitet? Gibt es einen forschenden Anschluss, ein aktuelles Ereignis, wert sich damit auseinanderzusetzen?

Dann häuften sich die Abbildungen mit der abendlichen Silhouette des Waldrückens hinter dem Prackfolerhof, auf denen Berty mit dem Finger buona notte gemalt hatte.

Slideshow
öffnen

Ich male dir ein buona notte in die Wolken, liebe Schwester im Geiste – ich werde dich sehr vermissen.

– Karin, März 2026