Buchhandlung Kalter König

Sachsalber, Sven

2016–2018
Foto: Jürgen Eheim

222 Bleistiftzeichnungen von Sven Sachsalber auf Hotelbriefpapieren, die aus dem posthum erschienenen Buch No Drawing No Cry von Martin Kippenberger stammen. Dieses Buch versammelt jene Hotelbriefbögen, die zuvor in den bekannten Bänden Hotel-Hotel und Hotel-Hotel-Hotel mit Kippenbergers Zeichnungen veröffentlicht worden waren. Für die spätere Ausgabe wurden die Zeichnungen auf seine Anweisung hin entfernt, sodass lediglich die Briefköpfe und Logos der Hotels auf ansonsten leeren Seiten sichtbar bleiben.

In einem Gespräch wurde erzählt, dass Sven Sachsalber die Zeichnungen größtenteils abzeichnete, indem er die Blätter Papier auf den Bildschirm seines Computers legte und sie dann übertrug. In vielen Zeichnungen tauchen Werke von Sachsalber selbst auf, wie die Artforum-Serie oder die Performance „Sasmonie“, aber auch Figuren aus seiner Kindheit wie Max und Moritz oder Räuber Hotzenplotz. Eine Zeichnung bildet beispielsweise die „Hands“-Ausstellung ab, die 2014 im Museion stattfand, oder Jane Goodall mit einem Schimpansen. Freunde von Sachsalber haben das Kippenberger-Buch, das als Sammlerstück einen hohen Marktwert hat, für ihn bei einer bekannten New Yorker Galerie (Barbara Gladstone Gallery) besorgt.
Neben dem Buchseiten aus Kippenbergers Publikation No Drawing No Cry hat Sven Sachsalber ein weiteres Briefpapier hinzugefügt: das des französischen Restaurants Lucien (luciennyc.com) im East Village. Das Lucien ist ein wichtiger Treffpunkt der New Yorker Kunstszene – Künstler wie Rudolf Stingel kehren dort regelmäßig ein, und die Galerie Ramiken Crucible hält dort gewöhnlich ihre Eröffnungsdinners ab. Sven war vor allem mit Zac befreundet, dem Sohn des mittlerweile verstorbenen Besitzers, der ihm das Briefpapier überreichte.
Sven war gerne im Lucien: Viele der Angestellten sind selbst Künstler, und der Besitzer lud junge Künstler gelegentlich zum Essen ein. Auch die Neuigkeit, dass Raymond Pettibon einen Assistenten suchte, erreichte Sven Sachsalber erstmals im Lucien.

“Die titelgebende Arbeit Buchhandlung »Kalter König« bezieht sich auf Martin Kippenbergers posthum veröffentlichtes Buch »No Drawing No Cry«. Darin sind die Hotelbriefpapiere veröffentlicht, die zuvor in den beiden berühmten Bänden »Hotel-Hotel« und »Hotel-Hotel-Hotel« mit seinen darauf verewigten Zeichnungen versammelt worden waren und hier auf seine Anweisung hin von diesen Zeichnungen »bereinigt« wurden. Ein Buch voller weißer Seiten, auf denen nur die Briefköpfe und Logos der Hotels zu sehen sind, in denen Kippenberger übernachtet hatte. Sven Sachsalber nahm diese Seiten als Einladung, erneut darauf zu zeichnen und ließ zuungunsten des materiellen Wertes dieser wertvollen Ausgabe ein Tagebuch entstehen, in dem er eine systematische Entdeckungsübung und Selbstanalyse durchführte. Sachsalber hat in seinem Buch 222 Bleistiftzeichnungen angefertigt, in denen zeitgenössische Kultur, Folklore, Tier- und Menschenwelt auf alltägliche Stimmungen und Launen treffen.” (Siehe: Auszug aus Ausstellungstext von Emanuele Guidi anlässlich der Ausstellung Buchhandlung “Kalter König. Sven Sachsalber” in der ar/ge kunst vom 22.02. – 13.04.2019)
Künstler*in
Sachsalber, Sven
Schlanders, 1987-05-08 - Wien, 2020-12-12
Details zum Kunstwerk
Datierung
2016–2018
Objektbezeichnung
Grafik
Höhe
29.6 cm
Breite
21 cm
Technik
Bleistift auf Papier
Keywords
ART, TIME
Projekt
Forschungsprojekt Sven Sachsalber
Sammlung
Privatsammlung, Brixen
Inventarnummer
166

Sachsalber, Sven

1987 in Südtirol geboren, 2020 in Wien verstorben; lebte zwischen New York und Europa. Nach seinem Abschluss in Betriebswirtschaft in Bologna studierte er 2010 bis 2012 Skulptur bei Professor Richard Wentworth am Royal College of Art in London. 2014 erhielt er den Premio New York vom italienischen Kulturministerium und 2019 den Paul Flora Preis. Seine Werke sind Teil der Sammlung Museion, Bozen, der öffentlichen Sammlung der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol, sowie zahlreicher privater Sammlungen in Europa und den USA.