Der 21. Giornata del Contemporaneo wird ausgerichtet von AMACI, der Vereinigung italienischer Museen für Gegenwartskunst, und ist in diesem Jahr dem Thema Bildung gewidmet – im Sinne eines offenen und vielschichtigen Prozesses, der Lernen, Forschen und den Austausch von Erfahrungen einschließt. Zu diesem Anlass bietet das Museion einen Workshop an, der von Robert Lax’ poetischer Sprache inspiriert ist. Lax ist ebenfalls in der Ausstellung You And The Night And The Music vertreten.
Der Workshop mit dem Titel I lift one stone and I am thinking wurde von dem Künstler und Perkussionisten Enrico Malatesta konzipiert, der auch die Leitung übernimmt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer spüren den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des poetischen Wortes nach und werden über kollektive Praktiken des Lesens und Handelns an eine Umsetzung von Lax’ Gedichten mithilfe von Stimme, Geste und Körper herangeführt. Es eröffnen sich hierbei neue performative Dimensionen, die über das geschriebene Wort hinausweisen.
Der Workshop startet mit einer Einführungsphase zum Werk des US-amerikanischen Dichters, gefolgt von Übungen zum gemeinsamen Lesen und Handeln im Raum. Lax’ Worte werden zu Klang und dienen gleichzeitig als Anleitung für performative Aktionen. Stimmen und Körper der Teilnehmenden sowie die von ihnen hervorgebrachten Töne lassen – in Verbindung mit den im Raum gegenwärtigen Found Sounds – einen Klangraum entstehen. Hinzu treten tragbare Aufnahme- und Wiedergabegeräte, die Reminiszenzen und Voicescapes miteinander verweben.
Begleitet wird der Workshop durch einen Klangbeitrag von Renato Grieco. Elektroakustische Erkundungen erzeugen ein minimalistisches und diffuses Klanggewebe, das sich zwischen den Worten, Bewegungen, Objekten und Körpern einfügt und ihre Schwingungen verstärkt.
Seinen Höhepunkt findet der Workshop um 16.30 Uhr mit der Abschlussperformance, die ebenfalls den Titel I lift one stone and I am thinking trägt. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern präsentiert Enrico Malatesta eine bewegte Klangaktion: eine materielle und ephemere, sich kontinuierlich wandelnde Landschaft, in der die Grenzen zwischen Text, Klang und Körper zurücktreten.
Programm Giornata del Contemporaneo AMACI im Museion
•Eintrittsfreier Tag der offenen Tür von 10 bis 18 Uhr
•Workshop I lift one stone and I am thinking mit Enrico Malatesta: 09.00 – 15.00 Uhr (Workshop) + 16.30 – 17.30 Uhr (Performance). Kostenlose Teilnahme, Anmeldung erbeten unter diesem Link.
•Kunstgespräche von 14 bis 18 Uhr (dt/it/en).
You and the Night and the Music – Die Editionen Francesco Conz aus der Sammlung des Museion
Gewidmet ist die Ausstellung insbesondere den künstlerischen Editionen von Francesco Conz, einer Schlüsselfigur für die Förderung der internationalen Neoavantgarde in Italien und ihres künstlerischen Schaffens. Die von Frida Carazzato kuratierte Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Fondazione Bonotto und unter kuratorischer Beratung von Patrizio Peterlini entwickelt. Anhand der Museumssammlung stellt sie das kulturelle Vermächtnis und die künstlerische Vision von Francesco Conz vor Augen, der im Schnittbereich von Fluxus sowie Visueller und Konkreter Poesie gewirkt und damit einen entscheidenden Beitrag zur Verbreitung dieser künstlerischen Praktiken im In- und Ausland geleistet hat.
Enrico Malatesta
Der Perkussionist widmet sich dem Spannungsfeld von experimenteller Musik, Performance und ortsspezifischen Interventionen. In seiner Praxis untersucht er die Beziehungen zwischen Klang, Raum und Bewegung unter besonderer Berücksichtigung von Hörweisen sowie Affordanzen der Instrumente. Er nutzt Polyrhythmen zur Erzeugung komplexer Klangstrukturen und legt Wert auf eine ökologische und nachhaltige Herangehensweise an perkussive Handlungen. Seit 2007 präsentiert Enrico Malatesta seine Arbeiten auf Tourneen und ist bereits in ganz Europa, in Brasilien, Südkorea, Japan, Nordamerika und Russland aufgetreten. Er nimmt an Festivals teil und war zu Gast bei Veranstaltungen, etwa im Pirelli HangarBicocca – Mailand, im Berghain – Berlin, im MAM – Rio de Janeiro, auf der Venedig-Biennale und in der Fondation Cartier pour l’art contemporain – Paris.
Renato Grieco
Der Komponist Renato Grieco ist vor allem im Bereich der musique concrète und der Radiokunst aktiv. Seit 2013 tritt er in ganz Europa mit seinem Soloprojekt (unter dem Pseudonym kNN) ebenso wie in zahlreichen Kooperationen als Performer, Interpret oder Klangdramaturg für Tanz auf. Er war Co-Kurator des Festivals La Digestion – musica ascoltata raramente. Zudem arbeitet er als freiberuflicher Originaltonmeister sowie als Toningenieur im KU Studio (Neapel). Seit 2021 leitet er den Lehrgang „Geschichte und Kritik elektroakustischer Technologien“ am Konservatorium Nicola Sala in Benevento.
Robert Lax
Robert Lax (Olean, 30. November 1915 – New York, 26. September 2000) war ein US-amerikanischer Dichter und Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem für seine freundschaftliche Verbindung zu dem Trappistenmönch und Autor Thomas Merton, fand in seinen letzten Lebensjahren aber selbst zunehmend Anerkennung als einflussreicher Literat und inspirierende Persönlichkeit: Der Einfluss seines Schaffens auf andere Dichter*innen war in Avantgardekreisen seit Langem bekannt, ohne dass sein innovativer Stil und seine kluge Gelassenheit größere Aufmerksamkeit erfahren hätten. Dies war zum Teil auch dem bescheidenen und zurückgezogenen Leben geschuldet, das Lax im Wesentlichen auf Patmos, einer abgeschiedenen Insel in der griechischen Ägäis, verbracht hat.